Fünf wichtige Herausforderungen für die führenden Rohstoffhersteller in der EU

Von Katia Lacasse, European Copper Institute

Das neue Mandat der Europäischen Union kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für den Klimawandel. Entscheidungen, die in den kommenden Jahren getroffen werden, werden tiefgreifende Auswirkungen auf die Fähigkeit Europas haben, eine klimaneutrale Wirtschaft zu werden. Das European Copper Institute (ECI) arbeitet aktiv mit politischen Entscheidungsträgern zusammen, um einen solchen Übergang zu ermöglichen. Nachfolgend skizzieren wir, was wir als die fünf vor uns liegenden Hauptherausforderungen sehen.

1: Dekarbonisierung: Ein grüner New Deal für Europa

Die Europäische Kommission hat sich verpflichtet, innerhalb der ersten 100 Tage einen Green New Deal zu veröffentlichen. Dieses Paket sollte sich insbesondere auf die Dekarbonisierung der europäischen Wirtschaft konzentrieren.

Wenn wir auf eine klimaneutrale Wirtschaft zusteuern wollen, brauchen wir mehr erneuerbare Energien und nachhaltigere Verkehrsmittel wie Elektrofahrzeuge. Kupfer ist das Fundament einer kohlenstoffarmen Wertschöpfungskette und eine Schlüsselressource für diese Technologien, auf die wir uns bei der Dekarbonisierung verlassen. Beispielsweise ist Kupfer in den meisten erneuerbaren Energiequellen enthalten und gehört zu den besten Stromleitern. Darüber hinaus verbrauchen Batterie-Elektrofahrzeuge im Vergleich zu Fahrzeugen, die von fossilen Brennstoffen abhängig sind, zwei- bis viermal so viel Kupfer, was auch eine Schlüsselkomponente in der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge darstellt.

Ein ehrgeiziger Green New Deal sowie die vollständige Umsetzung des Pakets für saubere Energie in allen Mitgliedstaaten werden von entscheidender Bedeutung sein, um die Verbreitung erneuerbarer Energien und Elektrofahrzeuge zu fördern und sicherzustellen, dass die EU ihre Klimaziele erreicht.

2: Paket Kreislaufwirtschaft 2.0

Wir begrüßen die Arbeit der Kommission im Bereich der Kreislaufwirtschaft, die weiterhin ganz oben auf der ordnungspolitischen Agenda stehen wird und eine Fortsetzung des ersten Kreislaufwirtschaftspakets vorsieht, das im neuen Mandat vorgesehen ist. Die Kreislaufwirtschaft zu stärken, ist eine große Herausforderung sind immer noch Hindernisse und Kompromisse, die von den politischen Entscheidungsträgern angegangen werden müssen.

Wie bereits erwähnt, wird Kupfer eine Schlüsselkomponente in einer dekarbonisierten Wirtschaft sein, und sein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, zum Metallökosystem und damit zu den wesentlichen Wertschöpfungsketten der EU wird von entscheidender Bedeutung sein. Der Lebenszyklus von Kupfer ist bereits unendlich, da es unbegrenzt recycelt werden kann, ohne seine Eigenschaften zu verlieren. Mehr als 30 Prozent des jährlichen Kupferverbrauchs im letzten Jahrzehnt stammten weltweit aus recycelten Quellen, und in Europa liegt die Kupferrecyclingrate bei bis zu 50 Prozent.

Ein Blick auf das Gesamtbild ist notwendig, um einen ausgewogenen und globalen Ansatz unter Berücksichtigung der Kreislaufwirtschafts-, Chemie- und Klimapolitik zu gewährleisten. Alle neuen Rechtsvorschriften zur Erreichung der Ziele der europäischen Kreislaufwirtschaft sollten dies widerspiegeln, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu beeinträchtigen.

3: Produktrichtlinie

Die Produktpolitik ist ein weiterer wesentlicher Bestandteil der EU-Strategie für die Kreislaufwirtschaft. Während die vorherige Europäische Kommission wichtige Initiativen in diesem Bereich gestartet hat, muss noch mehr Arbeit geleistet werden.

Der Product Environmental Footprint (PEF) ist ein Beispiel für die Weiterentwicklung der Kommission. PEF ist eine Methode, die entwickelt wurde, um den ökologischen Fußabdruck von Produkten genau zu berechnen. ECI war zusammen mit anderen Interessengruppen aktiv an der „Pilotphase zum ökologischen Fußabdruck“ der Kommission beteiligt und stellte fest, dass weitere Arbeiten erforderlich sind, insbesondere in Bezug auf Wissenslücken und Modellmängel, die zu Datenungenauigkeiten führen. Darüber hinaus ist ein harmonisierter Ansatz für die Lebenszyklusbewertung erforderlich, um sicherzustellen, dass „grüne“ Angaben von Unternehmen transparent und vergleichbar gemacht werden.

PEF ist nur eine von vielen Möglichkeiten, mit denen sich die Kommission in den kommenden Jahren mit der Produktpolitik befassen kann. Wir freuen uns darauf, ein aktiver Akteur in diesem Bereich zu sein, insbesondere in der PEF-Übergangsphase.

4: Nachhaltigkeit im Bausektor

Ein weiterer Schwerpunkt wird in den kommenden Jahren die Nachhaltigkeit im Bausektor sein. Gebäude machen derzeit 40 Prozent des Endenergieverbrauchs der EU aus und verursachen mehr als ein Drittel ihrer Treibhausgase.

Eine Möglichkeit, den Bausektor nachhaltiger zu gestalten, besteht in der Schaffung eines Marktes für Nebenprodukte. Beispielsweise könnten Nebenprodukte der Kupferherstellung aus Metallveredelungs- und Recyclingprozessen wie Eisensilikate im Bausektor als wertvolle Baustoffkomponenten eingesetzt werden. Die Verwendung von Sekundärmaterialien ist ein entscheidendes Element für den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft. Allein in der EU fallen jedes Jahr schätzungsweise mehr als 10 Millionen Tonnen Nebenprodukte an. In mehreren Mitgliedstaaten bestehen jedoch regulatorische Hindernisse, die es diesen Nebenprodukten erschweren, auf dem Laufenden zu bleiben, was zu unnötigem Abfall führt.

Nebenprodukte wie Eisensilikate sollten in der gesamten EU als Nebenprodukte anerkannt und ihre Verwendung als Baustoffkomponenten in sicher kontrollierten Verfahren gefördert werden.

5: Verantwortungsvolle Beschaffung und Produktion

Wie bereits erwähnt, ist Kupfer ein Schlüsselmaterial für verschiedene Technologien, die den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft ermöglichen. Dies wird zu einem Anstieg der Kupfernachfrage führen, die laut Untersuchungen in den nächsten 20 Jahren um bis zu 50 Prozent steigen könnte. Zwar sind die Recyclingquoten für Kupfer relativ hoch, doch reichen sie allein nicht aus, um diesen Nachfrageanstieg zu decken. Die Kupferindustrie wird dafür einen Schwerpunkt auf verantwortungsbewusste Beschaffung und Produktion legen.

Ein wichtiger Prozess hat bereits begonnen: Die neue Copper Mark  ist ein Programm, das von der Kupferindustrie entwickelt wurde, um die Leistung von Kupferminen und -veredlern zu bewerten. Diese Bewertung auf der Grundlage verantwortungsbewusster Produktionskriterien ermöglicht fundierte Entscheidungen über den Materialeinsatz.

Solche freiwilligen Initiativen der Industrie lassen den Rohstoffsektor zirkulärer und nachhaltiger werden, und wir freuen uns darauf, eng mit den Aufsichtsbehörden zusammenzuarbeiten, um eine sichere und nachhaltige Rohstoffversorgung zu gewährleisten.