Die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Politik ist für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft von entscheidender Bedeutung

In dem neuen EU-Gesetzgebungsmandat müssen Industrie und Politik zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass innovative Lösungen für eine Kreislaufwirtschaft umgesetzt werden können, schreibt Fleming Voetmann, Vice President of Public Affairs bei der International Copper Association (ICA):

Mit Beginn des nächsten Mandats des neuen Europäischen Parlaments und vor dem neuen Mandat der Kommission im Herbst ist jetzt ein entscheidender Moment für die Betrachtung der Kreislaufwirtschaftspolitik in den kommenden Jahren gekommen und für die Frage, wie die Kupferindustrie und die politischen Entscheidungsträger zusammenarbeiten können.

Kupfer ist von Natur aus ein kreislauffähiges Material. Heute wird die Hälfte des europäischen Kupferbedarfs mit Recyclingmaterial gedeckt. Wenn Kupfer recycelt und für einen neuen Zweck verwendet wird, verliert es weder seine Eigenschaften noch seine Qualität, sodass es unbegrenzt wiederverwendet und recycelt werden kann. Darüber hinaus können auch Kupfernebenprodukte recycelt werden, wodurch auch das Recycling anderer Produkte vorangetrieben wird.

Kupfer spielt eine Schlüsselrolle bei der Schließung des Kreislaufs und der Kreislaufwirtschaft. Die politischen Entscheidungsträger benötigen jedoch einen ganzheitlichen Ansatz und die Industrie muss in der Lage sein, ihre Kreislauflösungen umzusetzen.

Solche Lösungen werden bereits von einigen führenden Unternehmen der Kupferindustrie eingeführt. La Farga Lacambra in Spanien verfügt über ein geschlossenes Produktionssystem, bei dem Halbzeuge aus dem von ihm hergestellten Sekundärkupfer hergestellt werden. Zu diesem Zweck verwendet La Farga eine eigene Technologie, mit der aus Kupferschrott Kupfer mit einer Reinheit von 99,9 Prozent gewonnen werden kann.

In Deutschland entzieht Aurubis der Kupferproduktion CO2-freie Wärmeüberschüsse und liefert sie über eine 3,7 Kilometer lange Pipeline an die HafenCity Ost in der Nähe von Hamburg. Das Projekt spart 20.000 Tonnen CO2 – das entspricht etwa 10.000 Autos, die 12.000 Kilometer fahren – pro Jahr. Mit dem Projekt wird die HafenCity East als erstes Stadtquartier vollständig mit CO2-freier Industriewärme versorgt.

Metallo in Belgien ist ebenfalls innovativ, um den Kreis zu schließen. Mit seinem bahnbrechenden neuen Plasmaofen kann das Unternehmen minderwertige Materialien so recyceln, dass diese in hochwertige Metalle und Mineralien umgewandelt werden können.

Da Kupfer in vielen Geräten der Unterhaltungselektronik vorkommt, ist Elektroschrott ein Thema, mit dem sich die Branche auch intensiv befasst. Etwa 35 Prozent des Elektroschrotts in Europa landen in offiziell gemeldeten Sammel- oder Recyclingsystemen, eine Zahl, die viel zu niedrig ist. Die Rönnskär-Hütte von Boliden in Nordschweden ist mit einer Jahreskapazität von 120.000 Tonnen einer der weltweit größten Recycler von Metall aus elektronischem Material. Immer mehr Branchenakteure müssen Bolidens Führungsrolle bei Lösungen für die ständig steigende Menge an Elektroschrott folgen.

Trotz Innovation und Eigeninitiative der Kupferindustrie kann noch mehr getan werden. Um dies zu erreichen, müssen die politischen Entscheidungsträger einen universelleren Ansatz für die Kreislaufwirtschaft verfolgen.

Die Industrie muss die politischen Entscheidungsträger besser darüber informieren, was sie bereits tut, aber auch darüber, was sie in Bezug auf die Kreislaufwirtschaft tun können. Auf diese Weise können beide Seiten zusammenarbeiten, um sich dem Thema aus allen Blickwinkeln zu nähern. Die politischen Entscheidungsträger würden dann besser darüber informiert, was vor Ort passiert und welche unterschiedlichen politischen Optionen der Industrie helfen könnten, sich noch nachhaltiger zu entwickeln.

Beispielsweise könnten Kupferschlacken – ein wichtiges Nebenprodukt – als Lösung für die Konstruktion verwendet werden, sind jedoch häufig nicht zulässig, sodass stattdessen andere nicht recycelte Materialien beschafft werden müssen. Darüber hinaus erfordert das Recycling von Elektroschrott möglicherweise mehr Energie als die Verwendung von Neuware, selbst wenn der gesamte CO2-Fußabdruck erheblich verringert wird. Trotzdem fließen solche Details nicht immer in die aktuellen Energieeffizienzanforderungen ein.

Schließlich führt die Ausgabe von Emissionszertifikaten und überschüssiger Wärme manchmal dazu, dass der Recycler besteuert wird oder die Vorteile von Maßnahmen, die Emissionen einsparen und zur Erreichung der Klimaziele beitragen, nicht genutzt werden.

Dies sind nur einige der vielen Bereiche, in denen die Kreislaufwirtschaft über mehrere Politikbereiche hinweg verbessert werden könnte. Ein abgeschotteter Ansatz ist unzureichend und trägt nicht zur Erreichung der Ziele der Kreislaufwirtschaft bei.

Mit dem Eintritt in dieses neue Gesetzgebungsmandat in der EU, in dem die Kreislaufwirtschaft ein zentrales Gesetzgebungsthema sein wird, ist es wichtiger denn je, dass Industrie und Politik zusammenarbeiten. Diese Art der Zusammenarbeit ist für die Erreichung einer Kreislaufwirtschaft unabdingbar. Die Lösungen sind da und die Kupferindustrie innoviert mit einer zirkulären Denkweise, um echte Lösungen zu implementieren. Was jedoch fehlt, ist ein Dialog und ein ganzheitlicher Ansatz, mit dem die Branche ihre Lösungen umsetzen kann.