Industrie

Die Struktur der europäischen und deutschen Kupferindustrie

Das obere Ende der Kupfer-Wertschöpfungskette besteht aus drei spezifischen Sektoren. Bergbauunternehmen, die natürlich vorkommende Erze abbauen und sie in „Konzentrate“ umwandeln (bestehen aus ca. einem Drittel Kupfer, einem Drittel Schwefel und einem Drittel Eisensilikat). Kupferproduzenten, die auch als Schmelzer oder Veredler bezeichnet werden, wandeln die Konzentrate, importierte Zwischenprodukte und nicht länger verwendetes Altmetall in Kupfermetall um. Hersteller von Halbfertigprodukten wandeln dieses Metall anschließend zusammen mit sauberem Altmetall in Produkte wie Walzdraht, Rohre, Bleche und Bänder zur weiteren Verwendung entlang der Wertschöpfungskette um. Die Anzahl der Unternehmen, die in allen drei dieser Sektoren tätig sind, ist extrem begrenzt

Bergbauunternehmen

Im Jahr 2011 wurden rund 855.000 Tonnen Kupfer (Quelle: BGS) innerhalb der EU abgebaut, was in etwa 20 % der letztendlichen Endverbrauchernachfrage entspricht. Die Hauptabbaustätten der EU befinden sich in Polen, Portugal, Spanien und Schweden. Klicken Sie hier, um sich die Standorte der Kupferlagerstätten in Europa anzeigen zu lassen.

Produzenten (Schmelzer und Veredler)

Im Jahr 2011 belief sich die Produktion von raffiniertem Kupfer in der EU27-Region auf 2,7 Millionen Tonnen, was 14,7 % der weltweiten Produktion entspricht (Quelle: ICSG). Die Hauptproduktionsstätten befinden sich in Deutschland, Polen, Spanien, Schweden, Finnland, Belgien und Bulgarien. Die Endprodukte des Schmelz- und Raffinerieverfahrens (Kupferkathoden) werden durch elektrolytische Prozesse hergestellt. Sie werden normalerweise vor Ort geschmolzen und in Formen gegossen, die auch als Rundbarren und Walzplatten bezeichnet werden. Ungefähr 45 % der Rohmateriallieferungen an die Kupferraffinerien in der EU27-Region werden auf dem internationalen Markt in Form von Kupferkonzentraten, Blisterkupfer, Anoden und Altmetall erworben. Die übrigen 55 % stammen aus Minen innerhalb der EU sowie aus kupferhaltigen Rückständen und Altmetall. Da die Metallpreise global und durch globale Warenbörsen wie die Londoner Metallbörse transparent bestimmt werden, hängt die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Produzenten direkt mit ihrer Kostenbasis zusammen. Höhere Energiepreise, Umweltschutzmaßnahmen und soziale Kosten erschweren es den EU-Produzenten zunehmend auf dem globalen Markt um die primären und sekundären (Altmetall-)Rohmaterialien zu handeln, die sie benötigen. Auch wenn dies zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass die Kupferbergbau betreibenden Länder eine nachgelagerte Integration in ihre eigenen Schmelz- und Raffinerieanlagen betreiben, liegt der Hauptgrund in der starken Nachfrage von Produzenten aus Asien, von denen viele staatliche Unterstützung erhalten oder unter einem weniger strikten regulatorischen Rahmen operieren. Heute beschäftigen sechs Unternehmen in etwa 10.000 Menschen in einem Dutzend EU-Raffinerien. Dabei sind die Raffinerien von nur zwei Unternehmen teilweise in ihren eigenen Bergbaubetrieb integriert.

Informieren Sie sich hier mit der interaktive Weltkarte über aktuelle Produktions- und Erzeugungszahlen von Kupfer sowie über Standorte von Unternehmen. 



Hersteller von Halbfertigprodukten

Die Produkte der Raffinerien (Kathoden) sind die grundlegenden Rohmaterialien für die Hersteller von Halbfertigprodukten. Da ihre Produktionsleistung bei mehr als 150 % der Produktionsleistung der EU-Raffinerien liegt (2005/2006 sogar bei 200 %), müssen Hersteller von Halbfertigprodukten, Kathoden importieren und/oder sich den Zugriff auf eine erhebliche Menge an „sauberem“ Altmetall sichern – und zwar in der Größenordnung von 1 Million Tonnen pro Jahr. Im Jahr 2012 lag die Produktion von Halbfertigprodukten aus Kupfer und Kupferlegierungen bei ungefähr 4,3 Millionen Tonnen (Quelle: ICSG), was zum Teil auf die anhaltende Schwäche des Bausektors zurückzuführen ist. Dies entspricht etwas weniger als einem Fünftel der weltweiten Produktion. Deutschland, Italien und Frankreich erbrachten dabei rund die die Hälfte der Produktionsleistung in der EU27-Region. Die Auswahl an Halbfertigprodukten ist sehr groß und besteht zum größten Teil aus Stäben, Profilen, Drähten, Blechen und Bändern. Die Anwendungen fallen sogar noch vielfältiger aus und erstrecken sich unter anderem auf die Bereiche Elektrotechnik, Automobile, Konstruktion, Maschinen, Schiffsbau, Flugzeuge, Präzisionsinstrumente sowie Armbanduhren und andere Uhren. Der Walzdraht-Sektor ist für rund die Hälfte der Halbfertigproduktion verantwortlich. Ungefähr 20 Unternehmen beschäftigen insgesamt rund 3.000 Mitarbeiter. Dieser Sektor weist eine Mischung von Produzenten auf, von denen einige vorgelagert in eine Raffinerie integriert sind, während andere nachgelagert innerhalb eines Draht- und Kabelproduzenten integriert sind und eine dritte Kategorie unabhängig ist. Da sowohl die Metall- als auch die Stabpreise eng an die Preise der Warenbörse gebunden sind, ist dieser Sektor von einem starken Wettbewerb geprägt, wobei die Energiekosten und die sozialen Kosten von wesentlicher Bedeutung sind.  Im Sektor der Halbfertigprodukte sind viele weitere Unternehmen tätig. Ungefähr 80 Unternehmen, die rund 35.000 Menschen in der EU27-Region beschäftigen, produzieren Stäbe, Stangen, Drähte, Abschnitte, Rohre, Platten und Bleche aus Kupfer und Kupferlegierung und 30 Unternehmen haben Gießereien für die Produktion von Walzplatten, Rundbarren und anderer Formen für die weitere Verarbeitung integriert. Die anderen Unternehmen erwerben die von ihnen benötigten Materialien auf dem Handelsmarkt. Viele Metalle können für Kupferlegierungen verwendet werden. Auf dem EU-Markt sind schätzungsweise über 500 unterschiedliche Legierungen erhältlich. Die am häufigsten verwendeten Legierungselemente sind Zink, Nickel, Blei, Zinn, Silber und Beryllium. Jede Legierung bietet dem Endkunden eine maßgeschneiderte Leistung sowohl im Hinblick auf die endgültige Produktverwendung als auch bezüglich der Wirtschaftlichkeit des Verarbeitungsprozesses.

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